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04_Was hat das Leben mit Alfi (Markus He

Humor, Empathie und Neugierde bringen uns Menschen zusammen,
sie sind universelle Vehikel uns, über alle Unterschiede hinweg,
als Menschen zu begegnen. Auch und vor allem in der Kunst.
Ich sehe die Komödie, und den intelligenten und forschenden Humor im Film und im Theater, als ein weltweit unterschätztes Genre.
Mein filmisches Werk spiegelt den Reichtum und die Probleme der
Komödie - im Prozess und in der Rezeption.
Ich möchte alles dafür tun, den emphatischen, politischen, zärtlichen
und subversiven Humor im Film zu fördern.
Das Lachen gehört ernst genommen, wie das Weinen.

Humor ist  Arbeit. Schwerstarbeit, das ist natürlich eine Binsenwahrheit. Dass er aber auch Arbeit für die Zuschauer, also die Rezipienten sein kann, das lohnt sich vielleicht zu untersuchen. Humor wird schnell, vielleicht vorschnell, nach der Anzahl und der Heftigkeit der Lacher bewertet. Wird nicht gelacht, ist es nicht lustig. Aber der jüdische Humor ist oft nicht lustig, er ist nicht immer befreiend und manchmal, gar nicht so selten, ist er so komplex, dass man ihn gar nicht versteht. Humor ist eben mehr als Lustigkeit. Es ist eine Haltung zur Realität, zu den herrschenden Verhältnissen, zu Sehgewohnheiten, zu den Tragödien in der Ehe und in der Politik. Wenn das Oben und das Unten klar definiert ist – und wenn dann Humor auch noch hinter vorgehaltener Hand ausgelebt wird – ist die Orientierung einfach. Aber wenn Humor sich den feineren Aspekten des Lebens zuwendet, wird es kompliziert. Dann wird der Vorgang persönlich, individuell, geschmäcklerisch und – das ist vielleicht das wichtigste – politisch. Ein Steckenpferd des jüdischen Humors ist die Familie. Eine harmonische, verständnisvolle Familie ist nicht sonderlich komisch, also erscheint die Familie in unseren Witzen und Komödien, dysfunktional, vielleicht sogar krank. Auch die Machtstrukturen, die in einer Komödie manchmal surreal, manchmal blasphemisch unter die Lupe genommen werden, sind krank. Wir sind alle krank. Aber nicht jeder will dies erkennen oder würde dies akzeptieren und bestätigen. Für viele Menschen ist Humor nicht dafür da, das Widersprüchliche und Unangenehme hervor zu zerren und es genauer anzuschauen, sondern sich lieber über die Tollpatschigkeiten, Idiotien und Lächerlichkeiten auszuschütten. Das breite Publikum ist bereit sich als Mob über die Niedrigkeiten des menschlichen Wesens zu amüsieren. Das ist nach wie vor Mainstream. Das füllt Fussballstadien. 

über
den
Humor

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Über
den
Humor II

Ich bin glücklich über unsere gesteigerte Sensibilität und die Erkenntnis der systemischen Probleme die wir so lange nicht gesehen und ernst genommen haben. Aber es ist eine schwierige Zeit für Humor. Humor braucht, wenn er denn gesellschaftlich wirken soll, den Stachel und die bewusste Verletzung des guten Geschmacks und der feinen Kultur. Humor muss und darf nicht immer sauber und unangreifbar sein, im Gegenteil, Humor kann auch ein Angebot zum Streit sein, zu einer Kultur der Auseinandersetzung über Werte. Es ist die Chance unserer Zeit, für mehr Gerechtigkeit und weniger Ausgrenzung zu kämpfen, uns alle zu toleranteren und offeneren Menschen zu entwickeln. Aber unabhängig von Sexismus und Rassismus, gibt es jede Menge Gründe, empört zu sein, jede Menge Probleme, in denen wir alle stecken, unabhängig von Geschlecht und Kultur. Humor ist für die Mächtigen dieser Welt, wer auch immer sie sind, nach wie vor ein Dorn im Auge. Wir sollten ihn nicht verlieren.

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Unsere
Vision

Wir möchten die Grenzen der Komödie in Deutschland erweitern und Humor aus allen Kulturen fördern. Unsere Stiftung setzt sich dafür ein, Komödien um aufklärerische, verunsichernde und streitbare Dimensionen zu erweitern.

Ein weiteres wichtiges Anliegen ist es, Filmschaffende miteinander zu verbinden und den Austausch sowie die Zusammenarbeit in der Filmbranche zu fördern. 

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